Neubeginn nach 35 Jahren. Griechisch-orthodoxe Kirche kehrt nach Eritrea zurück


Von Heinz Gstrein

 

Asmara. Der griechisch-orthodoxe Metropolit von Axum, Daniil Βiazis, hat in der Maria-Verkündigungs-Kathedrale von Eritreas Hauptstadt Asmara am griechischen Nationalfeiertag des 28. Oktober einen Festgottesdienst gefeiert. Die Kirche war 35 Jahre lang geschlossen, seit die „Eritreische Volksbefreiungsfront“ (EPLF) 1988 ihre großangelegte Offensive gegen die äthiopischen Truppen begonnen hatte, die 1993 zur Unabhängigkeit des Landes von Addis Abeba führte. Seitdem hat Langzeitstaatschef Isayas Afewerki neben dem Islam nur die drei christlichen Kirchen der Eritreisch-Orthodoxen und Katholiken sowie der Lutheraner zugelassen. Andere Bekenntnisse wurden im Rahmen der allgemeinen politischen Repression verboten, im Fall „illegaler“ evangelikaler Freikirchen sogar verfolgt. Neuerdings ist allerdings eine vorsichtige Öffnung des autoritären Regimes zu beobachten, die schon zur Rückkehr zahlreicher politischer Flüchtlinge in die Heimat führt.

 

Afewerki hat auch die offizielle, 1998 von ihrer äthiopischen Mutterkirche losgelöste eritreische Orthodoxie bevormundet und Restriktionen ausgesetzt, so dass fast eine Million Orthodoxe ins Ausland geflohen sind, was ein Sechstel von Eritreas Gesamtbevölkerung ausmacht. Seit 2015 zählte es neben Nigeria und Somalia als Hauptherkunftsland afrikanischer Migranten in Europa. Höhepunkt der obrigkeitlichen Eingriffe in die Eritreische Orthodoxe Kirche waren 2007 die Absetzung ihres dritten Patriarchen Antonios Gebremedin Debretsion und seine Inhaftierung. An seiner Stelle wurde der regimekonforme Bischof Dioskoros Hagos Mendefera als Patriarch eingesetzt. In der Diaspora führte das zur Spaltung in eine Antonios-treue und Dioskoros-unterwürfige eritreische Orthodoxie. Nach dessen Tod 2015 liess Isayas Afewerki das Patriarchenamt unbesetzt, bis er im Zug seiner Liberalisierungen 2021 die relativ freie Wahl von Qerlos (Kyrillos) Tehadew Tesfaselassie zum fünften Patriarchen von Eritrea gestattete. Nachdem zusätzlich der rechtmäßige Patriarch Antonios Anfang 2022 nach 15jährigem Hausarrest verstarb, begannen sich auch die innerkirchlichen Gegensätze zu beruhigen.

 

Der inzwischen 94jährige Qerlos ist einer der letzten Überlebenden von den 1994 noch vom koptischen Papst-Patriarchen Schenuda III. geweihten eritreischen Bischöfe, damals in der Hoffnung, die eritreische Kirche von der äthiopischen zu trennen und wieder – wie es ein Jahrtausend lang der Fall war – von Ägypten aus zu leiten. Ein Wunschtraum, der sich allerdings mit Eritreas kirchlicher Unabhängigkeit (Autokephalie) nicht erfüllen sollte.

 

Abuna Qerlos hat dann 27 Jahre lang recht unbeachtet das Bistum Adi Keyih (Rotes Dorf) im zentral-eritreischen Bergland eifrig betreut. Er vermied Konflikte mit dem Afewerki-Regime, so dass ihm dieses 2011 die zwölf Jahre zuvor von der äthiopischen Luftwaffe zerbombte St-Georgs-Kathedrale wieder aufbaute, deren mächtige Kuppel seitdem wieder das Hüttengewirr des „Roten Dorfes“ überragt. Jetzt soll es auch der neue eritreische Patriarch gewesen sein, der sich beim Staatschef und dessen einflussreichen Außenminister Mamduh Salem Muhammad für die Wiederzulassung der griechisch-orthodoxen Kirche verwendet hat. Jedenfalls hat ihm Metropolit Daniil bei der Wiedereröffnung der Verkündigungs-Kathedrale in Asmara ausdrücklich dafür gedankt.

 

Die griechisch-orthodoxe Präsenz in Eritrea geht auf Patriarch Photios I. (1900-1925) von Alexandria zurück, der 1908 einen nach dem alten äthiopischen Kaiser- und Kirchenzentrum Axum benannte Metropolis für Äthiopien, Eritrea, Dschibuti und Somalia errichtet hat. Beim Unabhängigkeitsprozess seit den 1980er Jahren schottete sich Eritrea von Axum ab, so dass dieses vorübergehend der sudanesischen Metropolie Khartum angeschlossen wurde. Bei der jetzigen Öffnung ist noch ungewiss, ob sie neben Asmara auch Keren umfassen wird. Dort steht schon seit 1896 das älteste griechisch-orthodoxe Gotteshaus in Ostafrika, die Johannes-Kirche, geschlossen und wartet auf seine Wiederbelebung. Das katholische Bistum Keren und eine lutheranische Blindenschule haben hingegen Bestand.

 

Beobachter in Addis Abeba werten die Rückkehr der griechischen Orthodoxie nach Eritrea als einen Erfolg im Wettlauf mit dem Patriarchat Moskau um ihre Präsenz Afrika. Obwohl Isaias Afewerki politisch und militärisch als treuer Verbündeter von Putins Russland -so wie früher der Sowjetunion – gilt, der auch mit Verurteilung des Ukrainekriegs zögert, hat er im kirchlichen Bereich sichtlich der Anerkennung des Patriarchats von Alexandria „und ganz Afrika“ vor dem frisch gebildeten russischen „Exarchat Afrika“ den Vorzug gegeben.

 

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